Übersicht Nachrichtenarchiv 2006

Darmstädter Echo vom 03. Juli 2006

Über 80 Schützen

Stadtpokal: 25 Mannschaften zu Gast beim Wettkampf des Rodauer Schützenvereins „Tell“

RODAU. Sehr zufrieden mit der Beteiligung am diesjährigen Stadtpokalschießen war der Schützenverein „Tell“ Rodau, wie Vorsitzender Hermann Heil bei der Siegerehrung sagte. Die zu vergebenden Pokale füllten einen ganzen Tisch, und so dauerte es auch geraume Zeit, bis Heil sie verteilt hatte, obwohl er prominente Assistenten hatte: Landrat Alfred Jakoubek war zu den Rodauer Schützen gekommen und unterstützte Heil gemeinsam mit Bürgermeister Werner Seubert.

Bei den Herren schossen mehr als 60 Teilnehmer um die Siegerpokale in der Einzelwertung. Sieger wurde Werner Schwebel mit 117 Ringen. Peter Knöll, der für zwei Teams antrat, landete mit 116 und mit 114 Ringen knapp geschlagen auf Rang zwei und drei. Bei den Damen war die Starterliste mit 24 Nennungen ebenfalls beachtlich. Hier war Linda Roth mit 107 Ringen nicht zu schlagen. Mit jeweils 92 Ringen teilten sich Sandra Schroll und Diana Thalec den zweiten Platz.

Bei der Mannschaftswertung waren 25 Teams aus Vereinen und von Firmen mit jeweils drei Schützen angetreten. Mit dabei waren auch Parteien, die Stadtverwaltung und der Ortsbeirat. Am besten schossen „Die Siedler“, die 326 Ringe erzielten – einen mehr als das Team des Motorsportclubs Rodau. Auf Platz drei landeten die Chaos Kicker Groß-Bieberau mit 311 Ringen. In der Damenwertung lag die Landjugend mit 261 Ringen auf dem ersten Platz, gefolgt von den Damen des Männergesangvereins mit 245 Ringen und dem Stammtisch Feick mit 222 Ringen.


Darmstädter Echo vom 06. Juni 2006

Wo noch Waldläufer am Lagerfeuer sitzen

Freizeit: Westernfreunde feiern Pfingsten mit den „Wild-Wild-West Tagen“ in Rodau

RODAU. „Man muss in diesem Hobby aufgehen“ sagt der Lieutenant der Nordstaaten-Kriegsmarine. Dass der Rodauer Wolfgang Pilsel mit ganzer Seele Western-Hobbyist ist, dass glaubt man ihm nicht nur seiner ganz dem historischen Vorbild nachempfundenen Uniform wegen. Ein Blick in sein Zelt überzeugt noch mehr: Man schaut in die „Wohnstube“ eines Marineleutnants aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs.

Pilsel hat das Zelt neben dem Schützenhaus des SV „Tell“ in Rodau aufgeschlagen, der am Samstag und Sonntag zu den ersten „Wild-Wild-West-Tagen“ im Groß-Bieberauer Stadtteil eingeladen hatte. Viele der Western-Hobbyisten sind gekommen, die meisten aus dem Landkreis, die stärkste Abordnung aus Lengfeld. Drei Zelte und ein Tipi haben die Lengfelder am Ufer des Rodau-Baches aufgeschlagen, in einer Koppel davor grasen Pferde und Ponys, am Lagerfeuer sitzen die Waldläufer und Trapper. Eine echte Idylle, die ergänzt wird durch weitere Zelte und Verkaufsstände mit all dem, was der Westmann so braucht – vom Ledergürtel bis zum fein gegerbten Fell.

„Wir haben mit dieser Einladung einen Versuch gestartet und die gute Resonanz – sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den zahlreichen Besuchern – kann dazu führen, dass die Wild-Wild-West-Tage beim SV Tell zu einem festen Bestandteil im Terminkalender werden“, freut sich Klaus Ehrhardt, der beim Rodauer Verein für die Organisation dieser Tage verantwortlich zeichnet. Natürlich hat sich auch Ehrhardt dem Anlass und seiner Funktion entsprechend gekleidet: Lederweste, Stetson und ein großer Sheriffstern machen ihn zum Ordnungshüter der beiden Tage.

Bereits am Donnerstagabend waren die ersten Gäste angereist, hatten ihre Zelte aufgeschlagen. Am Freitag konnte man schon die Lager-Atmosphäre spüren. Am Samstag waren dann die interessierten Besucher eingeladen, Westernluft zu schnuppern. Viele der Teilnehmer öffneten ihr Zelt, sonst absolute Privatsphäre, setzten sich mit den Gästen zusammen, erzählten und erklärten. Der Schützenverein hatte am Samstagnachmittag und auch am Sonntag für ein buntes Rahmenprogramm gesorgt. Neben dem bekannten Hufeisenwerfen gab es ein Pfannenwerfen für die Damen, konnten die Männer sich im Beilwerfen beweisen oder beim Bogenschießen ihre Treffsicherheit testen. Am Abend sorgten die Band „Blue Boys“ für die Richtige Lagerstimmung – und dies bis tief in die Nacht.

Am Sonntagvormittag hatten sich viele gemeinsam mit Pfarrer Stoklossa aus Münster zum Feldgottesdienst im Zelt versammelt, danach wurden die Sieger des alljährlichen Stadtpokalschießens ausgezeichnet. Bei der Übergabe der zahlreichen Pokale wurde SV-Vorsitzender Hermann Heil von Landrat Alfred Jakoubek und Bürgermeister Werner Seubert unterstützt, die beide den Unternehmungsgeist der „Tell“-Schützen lobten. Der Siegerehrung schloss sich ein Grillfest an, bei dem die Fischbachtaler Musikanten für den zünftigen musikalischen Rahmen sorgten.

Schon am Samstagnachmittag hatte Wolfgang Pilsel die selbst gebaute Schiffshaubitze in der Änni-Merz-Anlage in Stellung gebracht. Daneben findet eine größere Schiffskanone auf einer Holzlafette ihren Platz. Beide Geschütze sorgen eine knappe Stunde lang nicht nur für den Böller-Lärm, sondern auch für gewaltige Pulverdampfwolken, die über die Landesstraße ziehen. „Eine solche Kanone originalgetreu nach historischem Vorbild nachzubauen – das bedeutet viel Arbeit, aber auch Vergnügen“, sagt Pilsel, der in Hobbyisten-Kreisen als „Bobby“ bekannt ist. „Jedes Detail muss stimmen, nur bei der Größe mussten wir deutlich nach unten abweichen. In Originalgröße wären die Geschütze für uns nicht mehr zu transportieren“. Pilsel hat sich Bücher beschafft, Baupläne studiert. „Man muss überhaupt vieles aus dieser Zeit nachlesen, um sich das damalige Leben vorstellen und es nachempfinden zu können“, sagt er. „Wir verkleiden uns ja nicht wie die Karnevalisten, wir wollen die Zeit vor rund 200 Jahren wieder lebendig werden lassen“.

Wenn „Bobby“ dann mit Familie für eine Woche oder zehn Tage mit dem Zelt unterwegs ist, wird dieses Leben von damals fast wieder Realität: „Keine Dusche, kein Strom, keine batteriebetriebenen Geräte – wir versorgen uns so, wie man es damals gemacht hat. Wenn man dann wieder nach Hause kommt, lernt man die modernen Annehmlichkeiten von warmem Bad und Heizung wieder schätzen.“


Darmstädter Echo vom 03. Juni 2006

Stelldichein der Trapper

RODAU. Trapper und Indianer, Siedler und Cowboys geben sich an diesem Wochenende beim Schützenverein „Tell“ Rodau ein Stelldichein. „Wer das Leben im Wilden Westen nachempfinden will, ist bei uns herzlich willkommen“, so die Rodauer Schützen. Ab 13 Uhr soll am heutigen Samstag den Besuchern das Lagerleben näher gebracht werden. Ab 20 Uhr gibt es Musik am Lagerfeuer. Am Sonntag nach dem Feldgottesdienst um 11.30 Uhr steht die Siegerehrung des Stadtpokalschießens auf dem Programm. Danach gibt es ein Grillfest mit den Fischbachtaler Musikanten. Kein Western-Treffen ohne Böllerschießen: Am Samstag zwischen 12 und 13 Uhr lassen es die Schützen an der Änni-Merz-Anlage krachen.


Darmstädter Echo vom 17. Mai 2006

Vor der Kamera ist alles vergessen

Nackt- oder Erotikfotos lehnt sie allerdings ab

GROSS-BIEBERAU. Mit Diana Haak abends mal ausgehen? Das kann deprimierend sein. Man läuft Gefahr, plötzlich überhaupt nicht mehr beachtet zu werden. Die Zwanzigjährige schmunzelt: „Ich stehe oft im Mittelpunkt.“ Neugierige Blicke sind bei ihr Ehrensache. Denn die Groß-Bieberauerin ist Model.

Angefangen hat alles 2004. Damals machte Diana bloß bei der „Miss Darmstadt“-Wahl mit, weil es als ersten Preis ein paar Eintrittskarten für den Europapark Rust gab. „Ich fahre doch so gern Achterbahn.“ Diana gewann haushoch – und wurde gleich noch „Miss Frankfurt“ und Dritte im Finale zur „Miss Hessen“.

Seitdem ist das Modeln ihre Welt: Sie hat Visagisten-Seminare und Fotoshootings besucht, ist bei Modenschauen unterwegs und gibt hin und wieder selbst Kurse für Erwachsene. Wie man unfallfrei über die Bühne läuft, sexy die Hüften schwingt oder ins Publikum strahlt. Kein Laufsteg zwischen Ludwigshafen und Frankfurt, auf dem sie nicht schon gelächelt hat.

Liebeskummer, Stress, private Sorgen? „Wenn die Kamera angeht, musst du alles andere vergessen können. Ich mag es, für ein paar Minuten in eine andere Rolle zu schlüpfen.“

Bei „Germanys Next Topmodel“, der ProSieben-Show, würde sie gerne mitmachen oder „Miss Germany“ werden. „Das will doch jedes Mädchen.“ Miss-Wahlen besucht sie deshalb immer noch regelmäßig und hat ihre eigene Fangruppe meist dabei.

Dass sie leicht bekleidet im Bikini über die Bühne schweben muss, bereitet ihr keine Sorgen. „Na und? Du musst den Leuten zeigen, dass du dich wohl fühlst in deinem Körper.“ Nackt- oder Erotikfotos lehnt sie allerdings ab. „Alles aufgeben möchte ich für meinen Traum nicht.“


Pressestelle Polizeipräsidium Südhessen vom 10. April 2006

Tödlicher Verkehrsunfall Groß- Bieberau

Groß-Bieberau (ots) - Am Sonntag, dem 09.04.06, 17.30 Uhr, ereignete sich auf der Landstraße zw. dem Groß-Bieberauer Ortsteil Rodau und dem Ober-Ramstädter Ortsteil Rohrbach ein schwerer Verkehrsunfall, bei welchem ein Motorradfahrer tödlich verunglückte. Nach Angaben der zuständigen Polizeistation Ober-Ramstadt befuhr der aus dem Odenwaldkreis stammende 41jährige Kradfahrer die L 3106 aus Richtung Rodau kommend in Fahrtrichtung Rohrbach. Im Verlauf der kurvenreichen Strecke kam der Kradfahrer nach rechts von der Fahrbahn ab und zog sich hierbei tödliche Verletzungen zu. An der Unfallstelle waren neben Polizei und Rettungskräften auch der Rettungshubschrauber Christoph 2 und die Freiwillige Feuerwehr Rodau im Einsatz.


Darmstädter Echo vom 05. April 2006

Bestätigung in Rodau

Ortsbeirat: Im Groß-Bieberauer Stadtteil keine Veränderungen – Zwei Listen vertreten

GROSS-BIEBERAU. Keine Veränderungen brachte die Ortsbeiratswahl im Bieberauer Stadtteil Rodau. Die CDU-Liste kam auf 54,5 Prozent, die „Rodauer Freie Liste“ (RFL) auf 45,5 Prozent. 56,7 Prozent der wahlberechtigten Rodauer beteiligten sich an der Ortsbeiratswahl.

Dem Gremium gehören wie seither der auf der CDU-Liste platzierte, parteilose Ortsvorsteher und Bankkaufmann Markus Göbel (219 Stimmen), der Postbeamte Bernd Röder (177, RFL), der Angestellte Wilhelm Brötz (157, CDU), die Diplom-Verwaltungswirtin Manuela Pilling (128, RFL) und der KfZ-Elektriker und seitherige stellvertretende Ortsvorsteher Gerhard Blüm (101, CDU) an. Im Bieberauer Stadtteil Rodau leben rund 500 Menschen, 416 waren wahlberechtigt.


Darmstädter Echo vom 29. März 2006

Projekte nicht anerkannt

Dorferneuerung: Groß-Bieberauer CDU-Fraktion informiert im Stadtteil Rodau

GROSS-BIEBERAU. Nicht alle vorgeschlagenen Projekte wurden für die Förderung im Rahmen des Dorferneuerungsprogramm des Groß-Bieberauer Stadtteils Rodau anerkannt. Das teilte Bürgermeister Werner Seubert jetzt bei einem Treffen der Groß-Bieberauer CDU-Fraktion mit Ortsvorsteher Markus Göbel mit.

„Die Förderquote des Landes fiel niedriger aus als zunächst zugesagt. Sie beträgt gegenwärtig 60 Prozent“, bedauerte Seubert. Anerkannt wurden die Projekte Alte Schule (110 000 Euro), die innerörtliche Freifläche (350 000 Euro) und der Beratervertrag mit 40 000 Euro – eine Gesamtsumme von zunächst 510 000 Euro. Davon müsste die Stadt Groß-Bieberau – von der derzeitigen Förderquote ausgehend – etwa 204 000 Euro aufbringen.

Ursprünglich waren weitere Maßnahmen erarbeitet worden, die aber als „Streichpositionen“ nicht anerkannt wurden. Für das gesamte Programm wären sie allerdings aus Sicht der Stadt wichtig gewesen. Zwei dieser Maßnahmen wurden inzwischen von der Stadt ohne Zuschüsse umgesetzt: An den Ortseingängen wurden Schilder der Vereine angebracht, und der Weg entlang des Rodauer Baches wurde angelegt.

Seubert führte auch aus, dass die Genehmigung für den Ausbau der Jugendräume in der alten Schule eingegangen sei. Er forderte zur Hilfe bei der Baumaßnahme auf. Was dafür an Geld weniger ausgegeben werde, stünde für die Innenausstattung bereit.

Der Kinderspielplatz beim Tennisclub Rodau wird erweitert. Die Stadt hat das Nachbargrundstück bereits erworben. Der Arbeitskreis Dorferneuerung macht sich Gedanken über die Gestaltung der Freizeit- und Spielflächen.

Ortsvorsteher Göbel äußerte die Erwartung, dass es trotz der angespannten Finanzlage der Stadt Möglichkeiten gebe, erarbeitete Ziele umzusetzen.


Darmstädter Echo vom 03. März 2006

In Rodau unterwegs

Rundgang: Im Groß-Bieberauer Stadtteil übt die FWG Kritik am Baugebiet „Presseläcker“

GROSS-BIEBERAU. „Wir wollen sehen und hören, wo der Schuh drückt und welche Themen ins Stadtparlament eingebracht werden sollen“, sagte der erste Vorsitzende der Groß-Bieberauer FWG, Ekkehard Gaydoul, nach einem Ortsrundgang mit 40 Parteifreunden im Stadtteil Rodau dem ECHO. Erste Station war das Schulhaus, das im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms umgestaltet und saniert wurde. Nun soll auch das Gerätehaus der Feuerwehr Rodau um- und angebaut werden. Feuerwehrmann Manuel Schmidt führte durch die Räumlichkeiten und erläuterte den Stand der Planung.
Am Standort Hauptstraße/Eckstraße wurde über dringliche Verbesserungsmaßnahmen zur kontinuierlichen Überwachung des fließenden Verkehrs in der Ortsdurchfahrt gesprochen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung wird hier oft überschritten. Hier könne sich der gemeinsamer Ordnungsbehördenbezirk profilieren, hieß es.

Im Baugebiet „Presseläcker“ überzeugten sich die Freien Wähler vom Baufortschritt auf den bereits verkauften Plätze und dem derzeit als Baustraße ausgebauten Jochartweg. Dabei kritisierten sie Entscheidungen des Parlaments. Die Bebauung lasse keine geordnete städtebauliche Planung erkennen, hieß es.


Darmstädter Echo vom 25. Feburar 2006

Zwangsversicherung für einen Aussteiger

Sozialgericht: Ein bei Groß-Bieberau lebender Rentner und Hobbyschäfer legt sich mit der Berufsgenossenschaft an

DARMSTADT/RODAU. Die Szene vor dem Sozialgericht Darmstadt erinnert an den Kampf zwischen David und Goliath: Der grauhaarige Rentner Dietrich Grafe (75), der als Aussteiger und Schafhirte im Groß-Bieberauer Ortsteil Rodau lebt, tritt gegen die mächtige Land- und Forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland an. Der gebückt gehende Tierfreund soll rückwirkend ab 2001 zwangsversichert werden – obwohl er mit seinen zeitweise 130 Schafen wohl niemals einen Cent verdiente. Die Gegenpartei wird vertreten von Holger Müller, dem adrett angezogenen Gruppenleiter der Berufsgenossenschaft. Er kennt kein Pardon: „Auch jeder, der privat zehn Obstbäume auf einem 1000 Quadratmeter großen Acker stehen hat, ist beitragspflichtig. Wegen der Unfallgefahr beim Pflegen und Pflücken.“
Auslöser für den Rechtsstreit ist ein ECHO-Bericht vom 12. Februar 2001. Dort ist Grafe, wie er selbst betont, sehr liebenswert als Lebenskünstler porträtiert. „Nach dem Bericht klingelte tagelang das Telefon“, erinnert sich der Rentner. „Leute beglückwünschten mich. Ich bekam einen Anruf aus Hamburg, ja sogar einen Heiratsantrag.“ Auch in der Berufsgenossenschaft fiel die Reportage auf – jedoch mit weniger schönen Folgen für Grafe: „Ich kann mir so richtig vorstellen, wie da ein Mitarbeiter beim Lesen ins Leberwurstbrötchen gebissen hat, um anschließend genüsslich festzustellen: Bei dem Grafe gibt’s vielleicht was zu holen“, sagt der Betroffene. Kurz darauf bekam er nach eigenen Worten „unverschämten Besuch“ und die Zahlungsaufforderungen, gegen die er sich nun wehrt.

Grafe (75) war früher freischaffender Innenarchitekt im Hessischen Landesmuseum, hat dort viele Ausstellungen aufgebaut. Er lebt von 400 Euro Rente, wie er sagt. Die Schafe sind „seine Familie und Erlebniswelt“. Er schlachtet sie nicht, sondern lässt sie an Altersschwäche sterben. Alle Schafe stammen von einem einzigen Tier namens Lola ab. 1972 kam sie als Lamm auf den Hof. „Ein Geburtstagsgeschenk von meiner Frau und den Kindern.“ Weil das Lamm sich einsam fühlte, musste ein Lebensgefährte her: ein Bock namens Albert. Er läutete eine fruchtbare Ära ein, die im Jahr 2001 mit 130 Schafen ihren Höhepunkt erreichte.

Während Grafes Ehe in die Brüche ging, blühte die Liebe zu den Tieren. Einmal nahm er einigen Böcken das Leben, war danach „zwei Tage krank“. Seither kommt Schlachten nicht mehr in Frage. „Die Viecher sind mein Beistand. Wenn ich Runzeln auf der Seele habe, gehe ich eine halbe Stunde zu ihnen in den Stall.“

Richter Markus Riefer ließ einige Sympathie für Grafe erkennen und nahm ihm ab, dass er kein Geld mit den Schafen verdient. „Für die Beurteilung der Beitrags- und Versicherungspflicht spielt es aber keine Rolle, ob Gewinn erzielt wird“, sagte er. Für eine Mitgliedschaft in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung sei es „unerheblich, mit welcher Motivation die Tätigkeit betrieben wird und welche Herkunft, Stand und Ausbildung der Unternehmer besitzt.“ Auch eine vom Gesetzgeber vorgesehene Beitragsbefreiung komme nicht zum Tragen, weil Grafe seit Jahren „Mutterschaftsprämien für Schafe“ beim Landkreis beantragt habe, bedauerte der Richter. Grafe betonte, ein Mitarbeiter im Landwirtschaftsamt habe ihm bei Kenntnis aller Umstände geraten, diese Prämien aus dem Topf der Europäischen Union zu beanspruchen, um einen Teil der Kosten abzudecken. Um die 5000 Euro sind wohl geflossen. „Ich habe mich über die kleine Beihilfe für Futter und Weidezäune gefreut“, sagt Grafe.

Das Gericht urteilte am Ende, der Schäfer müsse die Versicherung zahlen – bisher knapp 1000 Euro. Grafe, dessen Herde durch natürlichen Schaftod auf 61 Tiere geschrumpft ist, kann Berufung einlegen. Aus Altersgründen will er die Herde weiter schrumpfen lassen – aber nicht klein beigeben „gegen die Ungerechtigkeit“.


Darmstädter Echo vom 18. Januar 2006

Der Koloss von Rodau

Gewerbe: Steinwerk verarbeitet exotische Natursteine zu Messtischplatten – Präzisionsarbeit mit Diamantsägen

RODAU. Locker zu bleiben, fällt Victor Gonzalves in solch einem Moment schwer. Er bedient den firmeneigenen Kran. Und ist somit verantwortlich für einen Auftrag, der die Belegschaft im Steinwerk Peter Heina 14 Tage „ordentlich auf Trab gehalten hat“. Kein Wunder, dass Kollege Vitor de Freitas nervös mahnt: „Vorsichtig, pass auf mit dem Baby.“ Das „Baby“ ist 50 Zentimeter hoch, misst dreieinhalb mal dreieinhalb Meter und wiegt 18 Tonnen. Der Impala-Gabbro-Stein mit Quarz- und Glimmeranteilen stammt aus einem südafrikanischen Steinbruch bei Johannesburg. Vom Kap der guten Hoffnung aus ließ Firmenchef Peter Heina den Naturstein in die belgische Hafenstadt Antwerpen einschiffen. Das Ende der siebenwöchigen Reise nach Südhessen sicherte schließlich ein Spezialtieflader, den auf mehreren Streckenabschnitten die Polizei in den Groß-Bieberauer Stadtteil Rodau begleitete.

Wozu dieser Aufwand? „Nicht nur im Odenwald, in ganz Deutschland, ja gar auf dem europäischen Kontinent überhaupt sind die meisten Qualität versprechenden Steinbrüche ausgebeutet und stillgelegt“, klärt Heina auf.

Für den gelernten Industriebetriebswirt bedeutet der importierte Koloss den Eintritt in einen sich erst entwickelnden Geschäftszweig. Da sie weder rosten noch magnetisch sind, lösen Natursteine Stahl als Material zum Bau von Messtischplatten ab. „Mit der Verarbeitung solch roher Steinblöcke aus Übersee füllen wir eine Nische in der Maschinenbauindustrie.“

Die Auftragsvorstellungen aus dieser Branche haben das traditionsreiche Rodauer Steinwerk geprägt. Seit 1888, dem Gründungsjahr, benötigte das Familienunternehmen Steinmetze. „Hammer, Meißel und die Liebe zum Detail bestimmten damals den Arbeitsalltag“, sagt Heina: „Doch das war einmal.“ Zwar seien die vergangenen zehn Jahre ausschließlich vom Einsatz aufwendiger technischer Geräte bestimmt. „Allerdings“, darauf ist Heina besonders stolz, „haben wir den Hang zur Präzision beibehalten.“ Er zeigt auf die Fracht aus Südafrika: „Aus einem riesigen Block fester mineralischer Masse diese rechteckige, fein abgemessene Form zu gewinnen – das war eine Herausforderung für meine Männer.“

Automechaniker, Schlosser oder Schreiner – keiner von Heinas neun Mitarbeitern besitzt eine klassische Ausbildung als Steinmetz. „Überholt“ sei er, „dieser Berufsstand, zumindest für unsere Zwecke“, erklärt der Vierzigjährige. Er setzt auf technisch versierte Quereinsteiger.

In drei Arbeitsschritten präparieren sie das Material. Dabei gilt es zunächst, den Stein zu zerteilen. Eine erste Geduldsprobe. Die mit Diamanten besetzte Seilsäge frisst sich durch den massiven Klotz.

Danach trimmt Heinas Team mit Kreissägen den Naturstein aufs geforderte Maß. Um dem wertvollen Produkt (ein Kubikmeter kostet 2500 Euro) Glanz zu verleihen, werden Kantenschleifmaschinen verwendet.

„Faszinierend“, sagt Peter Heina. „Ohne die maschinelle Apparatur wären wir aufgeschmissen. Der simple, aber große Auftrag wäre ohne sie nicht machbar.“ Kreativ ausleben kann sich der Geschäftsmann nur in der Freizeit. Da entwirft Heina Möbel und Lampen aus Naturstein. Ob sein Konzept, hochwertige Design-Produkte zu vertreiben, jemals zu verwirklichen ist? „Es ist mein Traum, aber keine Sache, wegen der ich mir ernsthaft den Kopf zerbreche. Der Job hier macht Spaß.“

Gleiches trifft nur bedingt für Victor Gonzalves zu. Dem Mann, der den ebenso teuren wie wuchtigen Stein auf Hebebändern zum Weitertransport hievt, stehen schwere Zeiten im Umgang mit seinen „Babys“ bevor. Sein Arbeitgeber verrät: „Der Trend geht zu immer riesigeren Steinen.“


Darmstädter Echo vom 13. Januar 2006

SPD: Neubau sinnvoller

Ortsrundgang: Groß-Bieberauer Genossen wollen Feuerwehrhaus in Rodau ersetzen

RODAU. Beim Ortsrundgang der Groß-Bieberauer SPD im Stadtteil Rodau galt das Interesse der Genossen hauptsächlich dem Schulhaus und dem Feuerwehrgerätehaus. Die Gebäude sollen mit dem umgebenden Außengelände bei der Dorferneuerung saniert und umgestaltet werden. Aufgrund des arg ramponierten Zustandes und der dürftigen Bausubstanz war man sich schnell darin einig, in den „Zwischenbau“ kein Geld mehr für eine Renovierung zu stecken. „Mit einem Abbruch und einem vernünftigen baulichen Ersatz ergeben sich auf lange Sicht bessere Nutzungsmöglichkeiten für die Feuerwehr“, so Stadtrat Ralph Obszanski, Vorsitzender der SPD Groß-Bieberau. Gleichzeitig könnte dabei die vom Arbeitskreis Dorferneuerung vorgeschlagene Verbindung zur anderen Seite des Baches mit einem kleinen Steg hergestellt werden.
Im weiteren Verlauf ihres Rundgangs machten sich die Teilnehmer ein Bild vom Fortgang der Bautätigkeit im Baugebiet „Presseläcker“. Nachdem die Grundstücke des ersten Bauabschnitts nahezu vollständig bebaut sind, wird demnächst mit Bautätigkeiten des zweiten Abschnitts zur Landesstraße hin zu rechnen sein.

Einen schönen Blick über die Ortslage und die nähere Umgebung genossen die Spaziergänger beim Gang entlang des Weges Richtung Friedhof. Dort zeigt es sich, dass Rodau noch ein weitgehend intaktes Ortsbild besitzt, das sich harmonisch in die Landschaft einfügt. Zum Abschluss wurde die neue Brücke über den Rodauer Bach inspiziert und auf ihre Stabilität getestet.